Storyteller

In die Geschichte eingehen ist ein grosses Ziel. Aber erst Mal muss man Geschichte machen.
Und jemand darf sie aufschreiben.
Ich, zum Beispiel.

Metrospirituell

11.06.2015

Metrospirituell

Das System ist einfach. Zu einfach vielleicht? Es gibt eigentlich nur eine Möglichkeit, um da unbeschadet durchzukommen. Nein, Augen zu und durch gehört definitiv nicht dazu. Geöffnete Augen sind da eher hilfreich. Und ein paar Kenntnisse der örtlichen Sprache ebenso.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Sie aber auch. Stimmt haargenau, solange einem die Reise nicht etwas spanisch vorkommt. Denn vor allem im Untergrund kann dieser Umstand blockierende Auswirkungen haben. Nun aber mal ganz von vorn. 

Laura und ich sind in Barcelona angekommen. Und Barcelona ist gut bei uns angekommen. Denn die Stadt hat was. Vor allem eine stolz-schöne Ausstrahlung. Und sie ist grossflächig direkt am Meer hingepflanzt. Diese prächtige Stadt nur zu Fuss zu erkunden, wäre auch für sportlichere Menschen eher hinderlich. Deshalb haben sich einige Planer die Metro ausgedacht. Ein ausgeklügeltes System, das wie auf Schienen läuft. Im minuten und minuziösen Takt. Das System hat nur einen Haken: Der Zugang. In mindestens zwei Akten.

Akt 1: Die Fahrkarte. Der freundlich gesinnte Automat macht keinerlei Schwierigkeiten. Aber nur, weil uns bei Sarah, unsere bezaubernde Einheimische, die Sache erklärt und auf die kleinen Post-It Zettelchen im Stadtplan notiert hat. «Zona 1», Betrag bestätigen und los geht's. So weit so betickt nähern wir uns dem Eingang zur grossen Fahrt im Untergrund Barcelonas.

Ein dünner Schlitz, zwei Glastürchen und der Weg ist frei. Der Zug in die Weiten steht uns offen.

Akt 2: Die Geschichte wäre hier nun zu Ende, wenn da nicht noch der zweite, fiese Teil wäre. Und wir dieses maledeite System durchschaut hätten. Haben wir aber nicht. Der Weg vom Zug zur Oberfläche der Stadt am Meer ist mit Schwierigkeiten gepflastert. Oder eher verglast. Mit der Tageskarte in der Hand nähern wir uns dem Ausgang. Dieser ist aber nicht offen und führt an die Frischluftoberfläche. Nein, dieser hat Barrieren. Für Schwarzfahrer wahrscheinlich gedacht, die sich dann grün ärgern, blau anlaufen und bleich nach Kleingeld suchen.

Aber wir haben eine gültige Fahrkarte. Sogar eine, die den ganzen Tag ausfüllen wird. Für Zona 1. Jawoll. Nützt uns aber nichts.

Da steht er nun. Der lichtverheissende Durchgang, der von zwei transparenten Glastüren versperrt ist. Ein dünner Schlitz - hatten wir ja schon - und die Tür sollte sich öffnen. Tat sie auch. Die erste jedenfalls. Und blieb dann einfach offen stehen. Im Gegensatz zu ihrem Gegenstück. Dieses verweigerte sich und uns jegliche Art von Öffnung. So, da steh'n wir nun und wissen nicht mehr weiter...

Als Mann der Tat geselle ich mich zu Laura in diese seltsame Zwischenwelt aus Hades und Verheissung. Aber die Tür bleibt geöffnet. Ah, da ist ja ein Knopf und im astreinen Spanisch angeschrieben. So kommt er mir nun auch vor. Spanisch eben. Der Knopf ist rot. Die Türe blockiert. Mann kombiniert. Und drückt.

«Yyyyy...piiiiip....» tönt es freundlich über quadrophonisch aufgehängten Lautsprecher. Sehr Lautsprecher. Und wir hängen fest. Zwischen zwei Glasscheiben. Nach gefühlten drei Stunden und wirklichen drei Minuten taucht eine freundliche Uniformierte auf. Sie erklärt in astreinem Spanisch... hatten wir bereits? Die Zeichen der Zeit und die ihrer Hände bedeuten, dass ich wieder aus diesem Durchgang raus und in den Hintergrund treten solle. Keine leichte Sache.

Aber dann: EIN WUNDER! Die erste Türe schliesst sich. Und die Ausgangstüre öffnet sich. Laura schiebt mir die Tageskarte durch einen dünnen Schlitz in der Glasscheibe... Der Rest ist Metro-Geschichte.

Freudig schnuppern wir die auspuffgasgeschwängerte Luft unter stahlblauem Himmel. FREIHEIT! SÜSSE FREIHEIT! 

Fazit: Eine Tageskarte macht nur dann Sinn, wenn man hier und da auch das Tageslicht sieht.

minus 20

Am 1. November 2015 laufe ich den New York City Marathon. Zum zweiten Mal. Aber ich werde 20 Kilos weniger an den Start bringen, als heute. Ohne Diät, aber mit Grips. Und Juliette Stauber, meinem Schlank-Modeling-Coach.

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