Storyteller

In die Geschichte eingehen ist ein grosses Ziel. Aber erst Mal muss man Geschichte machen.
Und jemand darf sie aufschreiben.
Ich, zum Beispiel.

«Sechzig ausserortentlich»

23.08.2015

Die Sechzigerjahre waren aussergewöhnlich, was revolutionäre und umwälzende Jugendbewegungen betrifft. Die Sechziger von gestern sind aussergewöhnlich, was evolutionäre und rundumwälzende jugendliche Bewegungen betrifft. Die Klasse R4C war mal wieder unterwegs und hatte ein klasse Treffen.

Eine Schifffahrt, die ist lustig. Eine Stadtbesichtigung spannend. Und eine Rheinunterquerung mystisch. Aber noch besser werden diese Unternehmungen, wenn sich ein paar Jungs und Mädels in den frühen Sechzigern nach Jahren wieder treffen. Und diesen abwechslungsreichen Tag zusammen erleben. 

Auch nach 47 Jahren seit dem ersten gemeinsamen Schultag im Hinterzweienschulhaus in Muttenz sind einige Dinge noch immer dieselben wie damals. Eigentlich hätten die ehemaligen Schulischen sich in der damaligen Bäckerei gegenüber des Schulhauses einen bereitgestellten Pausenweggen holen sollen. Darauf steckte flaggenhaft, wo sie sich einfinden können. Und was passiert? Alle stehen vor der Ladentüre des jetzigen Coiffeurladens und plaudern, lachen, schäkern und diskutieren. Wie in der grossen Pause. Und wie damals kommt niemandem in den Sinn, diese Pause beenden zu wollen. Erst nach einem Zuruf im strengen Schulton von damals: «Hey, d'Pause isch denn verbyy! Sofort yhnechoh!!!» bequemen sich diese dann ins ehemalige Schulzimmer. 

Willy ist seit seiner Geburt ein Wasserfahrer. Das ist an sich nichts Schlimmes, obwohl vielleicht etwas verwässert. Aber aus eben diesem  Grunde schippern wir mit einem Langschiff auf dem Rhein und mit Wein sowie Chips in Richtung Schleuse Kaiseraugst. Welche Wohltat, die Umgebung vom Wasser her zu betrachten und sich vom Fahrtwind einlullen zu lassen. 

Rheinfelden - die übergangene Stadt

Ein Stadtführer führt uns - völlig unerwartet - durch die Stadt Rheinfelden. Und erzählt über die gloriosen, kriegerischen, erfolgreichen und vor allem alten Zeiten der prächtigen Stadt am Rhein. Das Wichtigste: Die Rheinfelder sehen sich nicht als Aargauer, was wir Muttenzer und Basler als ein glattes 1:0 betrachten. Und siehe da, Rheinfelden hat enorm viel zu bieten. Nur schade, dass dies fast niemand weiss. Die Erfindung des Wasserkraftwerks, die Entdeckung des Solebades und natürlich der wiedergefundener Hopfen und das Malz in einem Schlösschen im Feld sind die Highlights der kleinen Stadt mit der grossen Vergangenheit. Rheinfelden war in der Region bedeutungsvoll. Denn die Bewohner  waren auch Brückenbauer, denn sie haben die erste Brücke am Rhein überhaupt gebaut. Dies würde Gottlieb Duttweiler heute noch ärgern. Wenn er es denn wüsste oder mitbekäme.

Aber trotz allem vergangenen Glanz und Gloria ist Rheinfelden in der Altstadt ein kleines Bijou. Ergo sehens- und erlebenswert. 

Basel heizt ein

In Basel führt die Wärme eine Fernbeziehung. Diese wird in Röhren gepresst und dann kilometerweit in die entsprechenden Körper zum Einheizen geschickt. Der Weg der Röhre führt 20 Meter aber auch unter dem Rhein hindurch. Durch einen grossen Tunnel bei der Dreirosenbrücke nämlich. Selbstverständlich wollen wir, die Investigativen der Klasse R4C, dies mit eigenen Augen sehen und mit vollem Körpereinsatz spüren. Denn wir glauben nichts, wir wollen wissen. Naja, auch damals vor 47 Jahren? ... aber das ist ein ganz anderes Thema. Also steigen wir erst mal ab. Eine Wendeltreppe führt hinunter und bei einigen von uns zu schwindligen Gefühlen, obwohl wir doch alle ehrliche Zeitgenossen sind. Und siehe da: Wir entdecken ungeheuerliche Zustände am Grunde des Rheins. Da sind viel mehr Röhren, als wir erwartet hätten. Diese grosse schwarze Dicke zum Beispiel führt trinkbares Wasser mit sich. Vom Gross- ins Kleinbasel. Ach, da ist ja noch eine kleine Gelbe mit dem unscheinbaren Hinweis: «Erdgas». Na sieh mal an, was die Recherche mit Klasse und der Formel R (Recherche)  + 4 (Vier alle) = C (Chaos) ergeben hat. Der Auftrag ist abgeschlossen und die Investigativen schlängeln sich die schmalen Stufen ans Glaibasler Tageslicht empor. Uff, geschafft. 

Good Times. Old Times. Right Times. 

Die Fotos der Vergangenheit gehören ihr zwar an, sorgen aber auch heute noch für viel Gelächter und noch mehr Gerüchte. Da sind Aufnahmen zu sehen, die bei einigen Gesichtern doch ein paar Ahnungen geweckt zu haben scheinen. Aber vor allem hatte das OK Klassentreffen viel Ahnung, wie sich ein solch langer Tag mit etwas angegrauten, aber unternehmungslustigen Sechzigern organisieren lässt. 

Ein durch und durch entspannter, aber spannender Tag mit Klasse.