Die Tal Ente
05. Feb 2026,

Dieses federige Vieh ist kaum in der Öffentlichkeit bekannt. Wie denn auch? Das Tier - oder der Vogel? - ist noch scheuer, als dieses Ding im Loch Ness oder das Monster im Yeti-Gebirge.
Apropos: In eben solchen Anhäufungen von Steinen und Bergen nistet und fristet die Tal-Ente ihr Dasein. Sofern sie nicht gerade zum Futterholen fortgeflogen ist. Wissenschaftler haben bislang lediglich Indizien und Spuren des Vogels sichten und kuratieren können, doch auf ein lebendes Exemplar hoffen sie bis heute. In einer Welt mit Überkapazitäten an Kameras, Drohnen, Berggängern, Kletterern und Satelliten hat es dieses seltene Exemplar der Vogelwelt geschafft, niemals in Bild oder Ton – oder beidem – festgehalten zu werden. Wahrscheinlich ist die Tal-Ente überexzessiv freiheitsliebend.
Doch – da gibt es dennoch einige Spuren, die auf die Geschichte des Tieres hinweisen. Die Familie der Tal-Enten war in frühester Historie noch nicht getrennt. Nein, sie waren eine kreative Einheit und hiessen damals schlicht und einfach: Talent und Talente.
Von dieser Gattung gilt die Sage, dass sie sich in allen Genen und Generationen ausgebreitet hat. Nicht nur als biologisches Phänomen, sondern als genetisches oder angeeignetes Genmaterial. Talente sind nämlich überall und immer wieder aufs Neue zu finden. Ehemalige Säuglinge werden meistens über Nacht von Talenten heimgesucht, die ihnen Eigenschaften vermitteln, die alle Umstehenden erst einmal sprachlos dastehen lassen.
In diesem talentierten Rückblick auf die Menschheit stechen einige Namen besonders hervor. Das Stechen bezieht sich auf die bestechenden Leistungen dieser Talente, um dies zu beweisen. Diese Individuen stammen aus verschiedenen Epochen und Bereichen wie Wissenschaft, Kunst, Politik und Technologie. Das übergeordnete Talent am Start war stets die Überzeugung, dass scheinbar bestehende Grenzen im Denken und beim Forschen für sie nicht gelten. Sie folgten dem Motto:
„Viele sagten, das ist nicht möglich. Ich habe dieses Credo überhört.“
Dieser Isaac Newton (1643–1727) war ein englischer Mathematiker, Physiker und Astronom. Seine unzähligen Entdeckungen in Mechanik, Optik und Mathematik bildeten die Grundlagen der modernen Wissenschaft. Sein Gesetz der universellen Gravitation und seine Arbeiten zu den Bewegungsgesetzen revolutionierten das Verständnis des Universums. Schade nur, dass sich das Universum kaum für ihn interessierte.
Albert Einstein (1879–1955) war relativ früh Vater geworden. Als Vater der modernen Physik nämlich erkannte er die Theorie der Relativität, die das Verständnis von Raum, Zeit und Gravitation radikal veränderte. Papa Einsteins Arbeit hat nicht nur die Physik, sondern auch die Philosophie der Wissenschaft beeinflusst.
Marie Curie (1867–1934) war eine polnisch-französische und vor allem aktive Physikerin und Chemikerin. Sie machte ihrem Namen alle Ehre, als sie das Erforschen der Radioaktivität in ihren Tagesplan übernahm. Sie war die erste Frau, die nicht nur einen der berühmten Nobelpreise ergatterte. Nein, sie holte sich gleich zweimal den noblen Preis – und zwar als einziger Mensch bis heute – in den wissenschaftlichen Disziplinen Physik und Chemie.
Leonardo da Vinci (1452–1519) war ein italienischer Polymath, also ein Künstler, der ein Talent für Kunst, Wissenschaft, Musik, Mathematik und Ingenieurwesen sein Eigen nennen konnte. Das tat er aber nicht, denn er war dazu viel zu beschäftigt. Die berühmtesten Werke von Leonardo sind Das Abendmahl und die Mona Lisa und gelten als weltberühmte Symbole der Renaissance.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) war ein österreichischer, kurzlebiger Komponist, dessen geniale Kompositionen in der klassischen Musik unübertroffen sind. Er komponierte über 600 Werke, die alle Genres der klassischen Musik umfassen und bis heute tiefen Einfluss auf die Musikwelt haben. Sein kompositorisches Talent war auf Ecstasy, denn all dies hat er in einer Lebenszeit von 35 Jahren geschafft. Im Durchschnitt schrieb Wolfgang Amadeus fast zwanzig Werke pro Jahr. Das ist alles andere als eine klassische Leistung.
William Shakespeare (1564–1616) wird oft als der grösste Dramatiker aller Zeiten bezeichnet. Und damit hat diese Bezeichnung auch völlig recht. William hat die englische Sprache und Literatur mit seinen zahlreichen Stücken und Gedichten geprägt. Seine Werke wie Hamlet, Othello und Macbeth werden weltweit aufgeführt und studiert. Interessant wäre ein Blick in die Schülerzeit William Shakespeares, als er in der Englischklasse sass. Sein Englischlehrer muss sich täglich über den kleinen Sonderling geärgert haben, weil der Junge sich nicht an die Sprachregelungen hielt.
Mahatma Gandhi (1869–1948) war ein indischer Rechtsanwalt und politischer Ethiker. Soweit so unspektakulär. Doch eben dieser kleine Mann aus Indien prägte die Weltgeschichte mit der Idee des Widerstands ohne Gewalt. Eine Idee, die für die Welt der Krieger und Machos mehr als nur unvorstellbar war. Doch mit seiner widerständigen Leistung – ohne Faust und ohne Waffe – erstritt Mahatma die Unabhängigkeit Indiens von der britischen Herrschaft. Seine Philosophie des friedlichen Protests hat weltweit Bürgerrechtsbewegungen inspiriert. Mahatma Gandhis Geist des gewaltfreien Widerstands wird heute, im Jahr 2026, in Minneapolis, im Iran und in Gaza wieder praktiziert.
Nelson Mandela (1918–2013) war ein südafrikanischer Anti-Apartheid-Revolutionär, politischer Führer und Philanthrop, der zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas aufstieg – eines Landes, das jahrzehntelang diese widerliche Idee der Apartheid praktizierte. Sein Einsatz für Gerechtigkeit und Versöhnung in einer Zeit extremer Rassentrennung brachte ihm weltweite Anerkennung und den Friedensnobelpreis ein. Zudem war Nelson Mandela eines der grössten Beispiele dafür, wie Versöhnung mit den eigenen Peinigern funktionieren kann. Mit einem breiten Lächeln.
Na, wie beeindruckend ist diese Familie der Talente?
