Ehemalig
08. Feb 2026,

Entweder war sie einmalig, zweimalig oder überhaupt mehrmals – doch „ehemalig“ klingt traurig. Denn das bedeutet: Sie ist vorbei, vergangen, verpufft, verklungen. Nein: beendet. War das von Anfang an die Idee, als jemand in einer unbedachten Laune – vermutlich beim Bier – diesen Gedanken ins Blaue und dann ins Gesetz pustete?
Wer war das?
Ein Ehemaliger.
Ach, der. Na dann.
Lass uns mal auf den eigentlichen Grund – oder die Gründe – der Institution Ehe eingehen. Pass auf: Da ist etwas Leim.
Der oben erwähnte Ehemalige wäre heute unglaublich alt, denn bereits in der Antike schwärmte man von der Ehe.
Damals war der Gedanke eher politisch motiviert: Allianzen festigen, Eigentum innerhalb der Ehe übertragen.
Fazit: Die antike Ehe übertrug Dinge.
Später tauchte das Mittelalter am Horizont auf, bekam das mit der Ehe irgendwie mit – und brachte die Kirche ins Spiel.
Aus einer launischen Idee der Antike wurde nun ein Sakrament gebastelt. Halleluja!
Und aus einem reinen Vertragsverhältnis wurde die Ehe romantisiert. Ein rosaroter Katalog an Möglichkeiten entstand: weisse Kutsche mit Schimmel (das Pferd), das ein-einzigesmal-zu-tragende Hochzeitskleid wurde edel bestickt, und die Gästeliste wurde mit einem betrunkenen Onkel aufgewertet. Ein bisschen Spass muss sein.
Die Ehe war nun doppelt gemoppelt: zuerst der staatliche Vertrag zwischen zwei Menschen und dem Staat, dann die romantische Zeremonie mit Kirche, Ring und Tränen.
Klar, im Kleingedruckten – oder Gesagten – verstecken sich ein paar Haken.
Wer um Himmels willen hat eigentlich den Satz geprägt: „Das ist der schönste Tag meines Lebens“, der meistens von den süss gefärbten Lippen der Braut gehaucht wird? Kaum ist der Satz in die Freiheit entwichen, müssten bei jeder Braut – und manchem Bräutigam – die Alarmglocken sturmläuten.
Der glücklichste Tag des Lebens? Und was ist mit dem Morgen danach – und den nächsten möglichen siebzig Ehejahren?
Ach ja. Der Alltag hat sich eingenistet. Dann kamen die Kinder. Und schliesslich die Rente.
Ich verstehe.
Ja, ja, ja – es gibt viele Vorteile, die eine Ehe mit sich bringt. Doch die meisten sind eher nüchterne Konsequenzen einer vertraglichen Partnerschaft. Aber sie machen Sinn. Vor allem für die Vertragspartner, wenn die Trennung von Bett und Stuhl ins Haus steht – wenn also eines der beiden ehemaligen Turteltauben aus dem Haus verbannt wird.
Eine Trennung des Ehevertrags sollte ja kein grosses Ding sein. Schliesslich ist ja alles vertraglich geregelt. Zumindest in der Theorie.
Bei der Scheidung werden die Ansprüche geregelt: Wer zahlt wem Unterhalt? Wie viel? Und wovon? Ja klar – wenn die Ehefrau die Kinder grossgezogen, das Haus in Ordnung gehalten und das Essen auf den Tisch gebracht hat, während sie auf eine bezahlte Arbeit verzichtete, dann gilt es, die Höhe der monatlichen Summe festzulegen. Schmerzhaft? Wahrscheinlich.
Und wenn einer der Ehepartner stirbt, gibt es etwas zu erben – so die berechtigte Hoffnung und das tröstliche Pflaster. Umso besser, wenn auch dieser Vorgang bereits im Vertrag der Ehemaligen geregelt ist.
Ach ja, fast wären die Kinder vergessen worden. Diese leiden oft am meisten, wenn sich Mama und Papa trennen – zumindest wohnlich gesehen. Doch Kinder haben diesen extrem unangenehmen Drang, umsorgt zu werden. Deshalb gibt es im Gesetz einen Artikel, der das Sorgerecht für gemeinsame Kinder regelt.
Nun, so viele Regeln sind ernüchternd. Was bleibt dann noch übrig, um das staatliche Angebot der Ehe attraktiv zu machen?
Wo liegen die Vorteile – im staatlichen Verständnis?
Ach ja: das liebe Geld. Verheiratete haben steuerliche Vorteile, die Singles vorenthalten bleiben. Singles zahlen mehr Steuern, weil sie weder Kinder – sprich: zukünftige Renteneinzahler:innen – noch unbezahlte Care-Arbeit der Mutter (manchmal des Vaters) „beitragen“.
Singles sind egoistisch, aber kinderlos. Auf den Single-Börsen wird gemunkelt, dass die Vorteile der Ledigen dennoch im Plus liegen – denn rechtliche Auseinandersetzungen mit Anwälten, Gerichten und finanziellen Forderungen bleiben ihnen erspart.
Egoisten? Hmmm, irgendwie … nein. Die Qual der Wahl war nicht so arg.
Ja, ich finde das Konzept der Ehe gut, grösstenteils sinnvoll – und vor allem wertvoll für jede Gesellschaft.
Schliesslich ist die Familie der Grundstein für eine soziale, empathische und kreative Erziehung der Kinder und für die Gesellschaft.
Doch Singles müssen auch geschützt werden. Meistens vor sich selbst. Oder?
