Kranken. Kasse. Health. Care.
29. Mär 2026,

Wenn man mit Kranken Kasse macht, dann ist am System etwas verkehrt. Die Assoziation drängte sich auf, als ich mir den Begriff «Krankenkasse» zu wörtlich an die Brust nahm. Dann drehte ich mich nach Westen und bemerkte «Health Care» in Kanada. Was so viel wie «Krankenhilfe» bedeutet.
Na sieh mal an, was die Sprache so alles verändern kann.
Und was Healthcare made in Canada in der Praxis bedeutet.
In der letzten Woche bemerkte ich schmerzhaft, wie sich Herzenswärme in Herzenskrise verändern kann.
Aus einem wohligen, erholsamen Schlaf wurde morgens um vier ein unruhiges, schmerzhaftes Aufwachen.
Mein Herz beklagte sich nuschelnd über irgendwas, mein Schulterblatt mischte sich ein und mir wurde kurzatmig schwindlig.
Morgens um sechs schlich ich mich in Richtung Southlake Health in Newmarket.
Oh ja, Southlake ist ein Spital, aber irgendjemand meinte, dass Southlake mit dem Zusatz Health besser und hoffnungsvoller wirkt.
Kurz nach der Anmeldung bei der sympathischen Dame am Empfang händigte sie mir ein paar Dokumente zusammen mit einem knallroten Zettel aus. Der Zettel war das Express-Ticket für meinen Besuch.
Und die rote Signalfarbe für Gefahr machte durchaus Sinn.
Dann begann die vierstündige Prozedur von Blutdruckmessen zum EKG, dann zur Blutuntersuchung und Röntgen.
Jeder Gang durch Southlake mit den farbigen Linien der Orientierung auf dem Fussboden war weder stressig (wäre auch fatal gewesen in meiner Situation) noch mühsam. Ich weiss nicht, wie die Werktätigen für eine herzustellende Gesundheit mit ihren langen Arbeitsstunden noch so freundlich und zuvorkommend sein können. Aber sie können.
Nach der Odyssee durch Southlake sagte der sympathische Arzt erst Mal: «You don't look even close to be seventy.»
Und nach einem Blick auf die Spitalakte hörte ich den erlösenden Satz: «Du bist frei und kannst gehen, Christian. Wir haben nichts Auffälliges gefunden.»
Na wunderbar. Dann war das also ein falscher Alarm eines älteren Herrn, der mit dem Schmerz auf dem Herzen nicht umgehen kann?
Oh nein, da habe ich mich zu früh gefreut.
Der Arzt lächelte und meinte, ich solle morgen zu weiteren Tests hereinschneien. Denn da will das Southlake Team meinen Stress testen. Also den Stress, mit dem mein Herz sich provozieren lässt.
Na gut.
Meine Laune war … nun, in bester Laune.
Die Ärzte fanden zwar keinen sichtbaren Defekt, ergo keine Erklärung über die schmerzliche Nacht, aber das Nichterkennen ist für sie nicht das Ende der Fahnenstange.
Wissenschaftler sind nie mit Nichtwissen zufrieden.
Dazu sind sie zu neugierig.
Und diese Erkenntnis liess meine Schmerzen ins zweite Glied versetzen.
Der folgende Tag war ebenso sympathisch wie beim ersten Besuch.
Erstmal durfte ich mich auf das Untersuchungsbett legen und ich wurde verkabelt.
Dann kamen die kalte Creme und der Scanner ins Spiel, der gezielt und detailliert die Umgebung meines Herzens absuchte.
Das war eine ähnliche Prozedur, wie sich Schwangere vom Zustand ihres Babys überzeugen können.
Dann der angekündigte Stresstest hiess neue Verkabelung und marschieren auf dem Laufband.
Easy, dachte ich noch.
Zwei Stunden später traf ich einen weiteren Arzt von Southlake Health, der mich nochmals zu den Details fragte, die mich bewogen, meinen Besuch im Southlake Gebäude zu starten.
Er erwähnte eine kleine Sache, die bei der Untersuchung kurz aufblitzte, aber keine klare Kontur zeigte.
Zur Belohnung erhielt ich einen anzuschnallenden Monitor und eine dreifache Verkabelung meiner Herzgegend.
Ich sollte dieses Ding für zweiundsiebzig Stunden tragen, allfällige Auffälligkeiten meines Befindens notieren.
OK, ich bin jetzt zum Cable Guy aufgestiegen.
Und jetzt lasse ich mich hinreissen.
Und zwar zu einer Lobhudelei für die Klinik mit dem schönen Namen Southlake Health in Newmarket. Wer sich in eine Klinik begeben muss, weil die Gesundheit aus den Fugen geriet, der ist an sich bereits gestresst. Doch dieser Stress lässt rasch nach, wenn das Southlake Team sich an die Arbeit macht. Warum das? Nun, wenn sich Professionalität und Freundlichkeit die Hand geben, dann besteht Anlass zu stressarmer Behutsamkeit.
Wenn ich morgen den Monitor zurückgebe, dann tue ich dies in der hervorragenden Überzeugung, dass sich das Team in Southlake wieder intensiv um meine Gesundheit und deren Herstellung kümmert.
Ich sehe dieses Engagement nicht als Selbstverständlichkeit, wenn sich Menschen so ins Zeug legen, damit es mir und Tausenden von anderen Patienten wieder gut gehen soll.
Ich lebe im Norden und freue mich über das Südliche von Southlake Health.
Danke.

